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Die Jüdische Gemeinde Frankfurt am Main K.d.ö.R.
Mit der Befreiung Frankfurts durch die US-Armee im April 1945 begann auch die Neugründung der Jüdischen Gemeinde Frankfurt am Main. In der Zeit von April bis Juli 1945 gab es bereits Kontakte zwischen der jüdischen Bevölkerung, die die Verfolgung überlebte, den Frankfurter Behörden und der amerikanischen Militärregierung. Im Juli 1945 beauftragte die Militärregierung den aus Theresienstadt zurückgekehrten letzten Rabbiner während der NS-Zeit, Dr. Leopold Neuhaus, mit der Gründung einer jüdischen Gemeinde. Im Januar 1947 wurde der erste ordentliche Gemeindevorstand gewählt, und am 1.Februar 1948 gab sich die Jüdische Gemeinde Frankfurt ihre erste Nachkriegssatzung. Im Artikel 1 der Satzung bezeichnet sie sich als eine Vereinigung von Personen, die sich zum jüdischen Glauben bekennen und in Frankfurt am Main und Umgebung wohnberechtigt sind. Zweck der Gemeinde ist die Pflege des jüdischen Kultus und die Wahrnehmung der Interessen ihrer Mitglieder als Angehöriger dieser Religionsgemeinschaft. An dieser Selbstdefinition hat sich bis heute nur so viel geändert, dass die Jüdische Gemeinde seit 1949 den Status einer Körperschaft des öffentlichen Rechts angenommen hat, damit rechtlich an ihren Status vor 1933 anknüpfen konnte und de jure den christlichen Amtskirchen gleichgestellt ist.
Die Verfolgung der NS-Zeit führte dazu, dass sich die Jüdische Gemeinde Frankfurt, wie die jüdische Gemeinschaft in der Bundesrepublik Deutschland insgesamt, kaum mehr aus deutschen Juden zusammensetzt, deren Vorfahren hier seit mehreren Jahrhunderten ansässig waren, sondern aus Überlebenden des Holocaust. Neben den wenigen deutschen Juden, die im Versteck oder das KZ überlebt hatten, waren es die Überlebenden aus Polen, die unmittelbar nach 1945 den größeren Teil der Gemeindemitglieder stellten. Zunächst in einem sogenannten DP-Camp in Frankfurt-Zeilsheim untergebracht, bildeten sie zur Vertretung ihrer Interessen ein eigenes „Jüdisches Komitee“ und waren damit dem „Zentralkomitee der befreiten Juden in der amerikanischen Zone“ unterstellt. Erst 1949 schlossen sich die Jüdische Gemeinde Frankfurt und das „Jüdische Komitee“ zusammen und gründeten die deutsch-osteuropäische Gemeinschaft, die für viele bundesrepublikanische Städte typisch wurde.
Nach dem Aufstand in Ungarn 1956 kamen Überlebende aus Ungarn und Rumänien in die Bundesrepublik, nach dem Prager Frühling und den Unruhen des Jahres 1968 in Polen solche aus der ehemaligen CSSR und Polen. Inzwischen sind auch zahlreiche Israelis Mitglied der Jüdischen Gemeinde geworden. Bis Mitte der achtziger Jahre lebte die Jüdische Gemeinschaft in Deutschland und damit auch in Frankfurt in einer sogenannten „Gepackten-Koffer-Mentalität“. Die jüdische Gemeinschaft in Deutschland stagnierte damals bei etwa 35.000, in Frankfurt bei etwa 4.500 Mitgliedern. Seit ab 1989 Juden aus der ehemaligen Sowjetunion nach Deutschland emigrieren können, hat sich die jüdische Bevölkerung in der Bundesrepublik Deutschland fast verdreifacht, und die Jüdische Gemeinde Frankfurt zählt knapp nun ca. 7.000 Mitglieder.
Die Jüdische Gemeinde Frankfurt hat heute ihren Sitz in der Savignystraße 66. Das 1986 neu erbaute und eröffnete Gemeindezentrum steht symbolisch für das Bekenntnis, doch in der Bundesrepublik Deutschland leben zu wollen, an die so reiche Vorkriegsgeschichte anzuknüpfen und ein Teil der Frankfurter Stadtgesellschaft zu werden. Der Impuls zu dieser Neuorientierung ging vom langjährigen Vorstandvorsitzenden Ignatz Bubis s.A. aus, auf dessen Initiative das Zentrum erbaut wurde und nach dessen Tod 1999 es den Namen Ignatz Bubis-Gemeindezentrum erhielt.
Zu den Einrichtungen der Jüdischen Gemeinde Frankfurt gehören die Synagogen in der Freiherr-vom-Stein-Straße, in Baumweg und Röderbergweg sowie die Atereth-Zwi Synagoge im Altenzentrum in der Bornheimer Landwehr. Zwei Kindergärten, die Isaak Emil Lichtigfeld-Schule mit den Grundschulklassen 1-5 und der Förderstufe, die Religionsschule Jeschurun, ein Jugendzentrum, eine Sozialabteilung, ein Seniorenclub und das koschere Restaurant Sohar gehören darüber hinaus zu den Einrichtungen der Gemeinde. Das Altenzentrum in der Bornheimer Landwehr bietet Platz für etwa 200 Bewohner. Darüber hinaus ist in Frankfurt am Main der Sportverein TuS Makkabi mit über 300 Mitgliedern aktiv. Regelmäßig treffen sich auch die Zionistische Frauenorganisation WIZO und der Frauenverein.
Die Jüdische Gemeinde Frankfurt ist seit 1986 gesellschaftlich und kulturell fester Bestandteil Frankfurts. Dies äußert sich in den seit 1982 regelmäßig stattfindenden Jüdischen Kulturwochen sowie kulturellen Veranstaltungen im Gemeindezentrum, die bei den Bürgern der Stadt sehr beliebt sind. In mehreren politischen Auseinandersetzungen der letzten Jahre stand die Jüdische Gemeinde im Mittelpunkt des Interesses. So z. B. 1985 bei den Auseinandersetzungen über die Aufführung des Theaterstücks „Der Müll, die Stadt und der Tod“ von Rainer Werner Fassbinder, 1989 in der Auseinandersetzung um die Ausgrabungen am Börneplatz und nicht zuletzt während der Walser-Bubis-Kontroverse des Jahres 1998.
Heute, wie schon vor 1933, gehört die Jüdische Gemeinde Frankfurt am Main nach Berlin zu den größten und bedeutendsten Gemeinden in Deutschland. Zusammen mit dem Jüdischen Museum, dem Fritz Bauer Institut und der umfangreichen Judaica-Sammlung in der Stadt- und Universitätsbibliothek bildet die Jüdische Gemeinde das Zentrum jüdischen Lebens und Kultur in der Region.
Im Rahmen des Projekts Frankfurt 1933-1945 kann die Jüdischen Gemeinde Zeitzeugen vermitteln, die über ihre Erfahrungen in der Zeit des Nationalsozialismus berichten können.
Dr. Susanna Keval, Jüdische Gemeinde Frankfurt
Anfragen unter Tel.: 069 / 76 80 36 0
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