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NS-Opfergruppe Jehovas Zeugen (Bibelforscher)
Die „Internationale Bibelforscher-Vereinigung“ (seit 1931 „Jehovas Zeugen“) ist seit 1910 in Frankfurt am Main tätig. Vor dem Verbot am 19. April 1933 gingen die Zeugen Jehovas (ZJ) in Frankfurt mit einem Mineralwasser-LKW auf Missionsfahrten.
Das NS-Regime betrachtete die Angehörigen dieser christlichen Religionsgemeinschaft wegen ihrer Nichtanpassung und Ablehnung des Führerkults sowie ihrer religiösen Aktivitäten und politischen Neutralität (Wahlenthaltung und Wehrdienstverweigerung) als „Staatsfeinde“ und verfolgte sie unerbittlich. Unter den NS-Opfern waren Martin Bertram, Marie Schättle, Adolf Krämer und andere Frankfurter.
Über 10.000 Zeugen Jehovas in Deutschland (mindestens 152 aus Frankfurt) wurden Opfer des Nationalsozialismus. Sie verloren Arbeitsplatz, Unterstützung, Rente, Wohnung oder Kinder durch Fürsorgeentzug; sie erlitten Gestapo-Haft und Misshandlungen, wurden zu Geld- oder Haftstrafen verurteilt (in Haft waren 113 aus Frankfurt), in Konzentrationslager (über 70 aus Frankfurt) und Kliniken überführt, eine Anzahl von ihnen wurde ermordet oder hingerichtet. Wahrscheinlich fanden insgesamt 1.500 Gläubige den Tod, darunter mindestens 18 Frankfurter Zeugen Jehovas. Insgesamt litten über 2.600 deutsche Zeugen Jehovas (dazu 1.400 ausländische) in einem Konzentrationslager. Zeugen Jehovas bildeten eine eigene Häftlingskategorie, die die SS durch einen „lila Winkel“ stigmatisierte.
Im Oktober 1997 kamen 14.000 Besucher zur Ausstellung „Geistiger Widerstand aus christlicher Überzeugung“ im Bornheimer Bürgerhaus. Seitdem erforschen Frankfurter Zeugen Jehovas die Verfolgungsgeschichte und besuchen Zeitzeugen und Archive in der Region, sammeln Fotos und Dokumente. Zum Gedenktag am 27. Januar 2000 erschien eine Arbeitsmappe. In Zusammenarbeit mit Institutionen in der Stadt sind weitere Ausstellungen sowie Tagungen unterstützt und der Besuch von Zeitzeugen in Schulen ermöglicht worden.
Gemeinsam mit der Stadt Frankfurt am Main wurde eine Gedenkstele zur Erinnerung an die verfolgten Zeugen Jehovas aus Frankfurt errichtet. Seit dem 5. September 2005 erinnert vor dem Haus Rohrbachstraße 58 eine von dem Bildhauer Clemens M. Strugalla geschaffene Gedenkstele an den Bäcker Martin Bertram sowie weitere verfolgte Zeugen Jehovas aus Frankfurt am Main.
Text im oberen Teil: „Im Haus Rohrbachstraße 58 lebte und arbeitete der Bäcker Martin Bertram, ein Zeuge Jehovas.“
Text im unteren Teil: „Trotz Drohungen der Nationalsozialisten im Jahr 1933 versorgte er, seinem Gewissen folgend, weiterhin auch Juden mit Brot. Dafür erlitt er Geschäftsaufgabe, Gefängnis und 8 Jahre Haft im KZ Buchenwald. In Frankfurt wurden zwischen 1933 und 1945 mehr als 150 Zeugen Jehovas wegen ihres Widerstandes aus dem Glauben verfolgt, 15 von ihnen verloren dabei das Leben.“
Vom 30. März bis 17. April 2006 wurde gemeinsam mit dem Institut für Stadtgeschichte die Wanderausstellung „Standhaft trotz Verfolgung - Jehovas Zeugen unter dem NS-Regime“ im Karmeliterkloster gezeigt. Die Ausstellung wurde um 10 Tafeln mit der Verfolgungsgeschichte der Frankfurter Zeugen Jehovas erweitert. Anlässlich der Ausstellung wurde ein Begleitheft mit dem Titel „Frankfurter Zeugen Jehovas unter der NS-Diktatur, vom Institut für Stadtgeschichte herausgegeben.“
Erika und Günter Krämer, Jehovas Zeugen, Geschichtsforschung, Frankfurt am Main
Telefon/Fax: 069/733658, Email: jz-ffmhistory@gmx.de
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