Die Adlerwerke, Zwangsarbeit und das Lager „Katzbach“

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Die Adlerwerke
Die Geschichte der Adlerwerke, vorm. Heinrich Kleyer AG, ist eng mit der Entwicklung Frankfurts von einem Handelszentrum zur Industriestadt verbunden. Produziert wurden zunächst Hochräder in Lizenz. Die ab 1886 unter dem Namen ADLER selbst gefertigten „Niederräder“ weckten das Interesse des Königlich Preußischen Kriegsministeriums, das seine Kavallerie- und Infanterieeinheiten mit dem nahezu geräuschlosen Transportmittel umfangreich ausstattete. Die Aufträge des Kriegsministeriums sowie die allgemein steigende Beliebtheit des Fahrrads in Deutschland ließen die Adlerwerke expandieren und die Produktion wurde 1890 in die heutige Kleyerstraße verlegt. Die Ausweitung der Produktion erhöhte den Kapitalbedarf, so dass 1895 Heinrich Kleyers Fabrik in die „ADLER-Fahrradwerke vorm. Heinrich Kleyer Aktiengesellschaft“ umgewandelt wurde, die seit 1898 als erste Fabrik in Deutschland auch Schreibmaschinen herstellte.
Mit der kurzzeitigen, schon 1909 wieder eingestellten Herstellung von Motorrädern traten die Adlerwerke in die erfolgreichere Kfz-Produktion ein. Gebaut wurden bis zur totalen Umstellung auf Kriegsproduktion im Jahre 1940 Personenkraftwagen, Lieferwagen sowie Krankenwagen. Die Produktion von größeren Nutzfahrzeugen wie Lkw, Feuerwehrfahrzeugen und Omnibussen währte nur von 1910 bis 1925, spielte aber im Ersten Weltkrieg eine bedeutende Rolle.
Im Ersten Weltkrieg stellten sich die Adlerwerke fast vollständig auf die Rüstungsproduktion um. Hergestellt wurden neben den schon erwähnten Fahrrädern und Nutzfahrzeugen Panzergetriebe, Motoren für Flugzeuge und Luftschiffe, komplette Torpedos, Granaten und Wasserbomben. Erst nach der Überwindung der Hyperinflation 1924/25 gewann die Pkw-Produktion wieder an Fahrt. Die Adlerwerke reüssierten mit einigen innovativen Modellen. Neben den zukunftsweisenden technischen Standards waren die Adler-Modelle auch wegen der Formgebung ihrer Karosserien beliebt. Die Designs entwickelte u. a. der Bauhaus-Architekt Walter Gropius.

Luftaufnahme der Adlerwerke, 1945.


Mit Beginn des Zweiten Weltkriegs wurde die Produktion abermals auf militärische Bedürfnisse umgestellt. Produziert wurden nun Automatikgetriebe, Getriebe für die Panzer „Tiger“ und „Panther“ sowie für Turbinenflugzeuge, außerdem die speziell für militärische Nutzfahrzeuge notwendigen Maybachmotoren, daneben Schnellbootmotoren, Halbkettenfahrzeuge, Kübel- und Leichtlastwagen, Torpedo-Antriebe, Geschosshülsen und -antriebsätze sowie eine Reihe weiterer rüstungswichtiger, feinmechanischer Halbfertigprodukte.
Nach dem Zweiten Weltkrieg produzierten die Adlerwerke weiterhin Fahrräder und Büromaschinen; ab 1949 auch wieder Motorräder. Auf Anordnung der amerikanischen Militärregierung wurde die Autoproduktion nach dem Krieg nicht mehr aufgenommen. Die Fertigungsanlagen wurden 1947 beschlagnahmt und demontiert. Überlegungen, nach der Währungsreform 1948 wieder Autos zu entwickeln und produzieren, wurden nicht weiterverfolgt. Die Motorradproduktion wurde 1958 eingestellt, nachdem der Anteilseigner Max Grundig sich nach dem Zusammenschluss der Nürnberger Triumph-Werke mit den Adlerwerken ganz auf die Büromaschinenproduktion konzentrierte, die von wechselnden Anteilseignern bis 1998 fortgeführt wurde.

Der Einsatz von Fremd- und Zwangsarbeitern, Kriegsgefangenen und KZ-Häftlingen
Bis zum Kriegsbeginn 1939 spielten ausländische Arbeitskräfte im Deutschen Reich eine untergeordnete Rolle. Nach dem Überfall auf Polen konnte die deutsche Arbeitsverwaltung auf ein erhebliches Arbeitskräftereservoir zurückgreifen. Zum einen sollten die Arbeitskräfte in Polen auf kriegswichtige Betriebe verteilt, zum anderen im Deutschen Reich in der Landwirtschaft eingesetzt werden. Auch nach dem Frankreichfeldzug wurden französische Kriegsgefangene und Zivilarbeiter zunächst nur in der Landwirtschaft eingesetzt, waren aber bald, wie auch ihre holländischen, belgischen und italienischen Leidensgenossen, wegen ihrer vielfältigen Qualifikationen als Fachkräfte begehrt. Mit der Ausweitung des Ausländereinsatzes in weiteren Wirtschaftszweigen stieg die Anzahl der Versuche der ausländischen Arbeitskräfte, sich den repressiven Arbeitsbedingungen zu entziehen. Zur Disziplinierung und Bestrafung von „Arbeitsvertragsbrüchigen“ wurden ab 1940 so genannte „Arbeitserziehungslager“ (AEL) eingerichtet, in denen auf begrenzte Zeit auch deutsche Arbeitskräfte inhaftiert wurden. In Frankfurt bestand von April 1942 bis März 1945 das AEL Heddernheim im Zeilweg. Die zunächst erfolgreiche Okkupation weiter sowjetischer Gebiete ermöglichte es der nationalsozialistischen Arbeitsverwaltung, der deutschen Wirtschaft millionenfach Zwangsarbeiter zuzuführen.
Wann die Adlerwerke zum ersten Male ausländische Arbeitskräfte eingesetzt haben, lässt sich nicht mehr ermitteln. Die Quellenlage erlaubt noch nicht einmal das ganze Ausmaß des Einsatzes ausländischer Arbeitskräfte einzuschätzen Nach der statistischen Erhebung der Deutschen Arbeitsfront (DAF) ergibt sich für die Spätsommer der Jahre 1942 und 1943 folgendes Bild:
1942: 598 Russen (darunter 117 Kriegsgefangene und 53 Frauen), 3 Polen, 1 Rumäne, 1 Slowake, 1 Kroate, 108 Franzosen, 10 Wallonen, 51 Flamen, 1 Holländer, 4 Italiener, 3 Spanier, 13 „Sonstige“.
1943: 545 Russen (123 Kriegsgefangene, 164 Frauen), 491 Ukrainer (137 Frauen), 18 Weißruthenen (1 Frau), 2 Polen, 1 Litauer, 1 Rumäne, 2 Serben, 4 Kroaten, 1 Ungar, 618 Franzosen (16 Frauen), 7 Wallonen, 22 Flamen, 1 Holländer, 3 Spanier, 11 „Sonstige“.
Diese durch Quellen belegten Zahlen entsprechen zwar in etwa den bekannten Lagerkapazitäten der Adlerwerke für Fremdarbeiter, allerdings waren die Unterkünfte oft überbelegt.
1942/43 wurde auf einer Freifläche in der Froschhäuser Straße im Stadtteil Griesheim ein Barackenlager errichtet, das für 2.000 „Ostarbeiter“ geplant war und im Werk in der Krifteler Straße 47 bestand ein „Ausländerlager“ für 120-150 Personen. Dagegen ist es unwahrscheinlich, dass „Westarbeiter“ (Franzosen, Wallonen, Belgier und Holländer) gemeinsam mit „Ostarbeitern“ in einem Lager untergebracht waren. Selbst zwischen Russen, Weißrussen und Ukrainern bestanden feine Abstufungen; Kroaten, Ungarn, Spanier und Rumänen kamen als „Vertragsarbeiter“ und genossen gewisse Privilegien. Zusätzlich zu den Fremdarbeitern wurden Kriegsgefangene, meist aus Frankreich und der Sowjetunion, eingesetzt, deren Arbeitseinsatz nicht der Kontrolle der Arbeitsverwaltung bzw. der Deutschen Arbeitsfront unterstand. So kann der gesamte „Ausländereinsatz“ während der Kriegsjahre zahlenmäßig nur annähernd eingeschätzt werden. In den unvollständigen Quellen lassen sich für den Bezirk der Frankfurter „Gauwirtschaftskammer“, ein nie konsequent vollzogener Zusammenschluss der Industrie- und Handelskammer, Landwirtschafts- und Handwerkskammer, etwa 50.000 ausländische Arbeitskräfte nachweisen. Der gesamte Ausländereinsatz im Deutschen Reich wird auf 8 bis 12 Millionen Fremd- und Zwangsarbeiter geschätzt. Der Umfang der Zwangsarbeit für das Deutsche Reich in den besetzten Ländern und in den Konzentrationslagern ist so gut wie noch gar nicht erforscht.
Die zivile und, mehr noch die Rüstungsproduktion, bedurften mit Beginn des Krieges einer immer größeren Anzahl von Arbeitskräften. Entgegen dem ideologischen Anspruch der Nationalsozialisten wurden mehr Frauen „dienstverpflichtet“ und ab 1942 auch „fremdvölkische“ Arbeitskräfte in nahezu allen Wirtschaftszweigen eingesetzt, um den kriegsbedingten Fachkräftemangel zu kompensieren. Mit der Zuspitzung der militärischen Lage des Deutschen Reiches transferierte das SS-Wirtschaft-Verwaltungs-Hauptamt (SS-WVHA) immer mehr KZ-Häftlinge an private und öffentliche Unternehmen. 1944 erreichte die Anzahl der KZ-Häftlinge in allen Konzentrationslagern den höchsten Stand. Weil nicht alle KZ-Häftlinge in den Stammlagern untergebracht waren oder werden konnten, gewannen die bis dato kleinen Außenlager bzw. Außenkommandos an Bedeutung, auch für den Arbeitseinsatz. Ab März 1944 knüpfte das SS-WVHA das Netz von Außenlagern weiter. Im Spätsommer 1944 wurden im Rhein-Main-Gebiet vier KZ-Außenlager errichtet, die dem regional zuständigen KZ Natzweiler im Elsass unterstellt waren: am 22. August das Außenlager „Katzbach“ in den Frankfurter Adlerwerken, am 26. August das Außenlager in Walldorf nahe dem Frankfurter Flughafen und am 31. August das Außenlager „Darmstadt“ in Bensheim-Auerbach. Im September 1944 folgte noch ein Außenlager in Geisenheim im Rheingau.

Das KZ-Außenlager „Katzbach“
Das KZ-Außenlager „Katzbach“ wurde im Obergeschoss des südöstlichen Flügels des Stammwerkes der Adlerwerke eingerichtet. Die Unterbringung und die Arbeitsplätze der Häftlinge waren räumlich nicht getrennt und streng von den übrigen Fabrikräumen abgeschirmt. Mehr als 1.600 KZ-Häftlinge wurden für die Produktion von Rüstungsgütern aus verschiedenen Konzentrationslagern – überwiegend Polen, die sich am Warschauer Aufstand beteiligt hatten und deswegen zunächst nach Buchenwald und Dachau deportiert worden waren – in den Adlerwerken zusammengezogen. Bei der Auswahl der Häftlinge ging die SS äußerst selektiv vor. Für die rüstungsrelevante Produktion (Halb- und Fertigzeuge für den Panzerbau und Munition) in den Adlerwerken benötigte man Ingenieure und Facharbeiter, die auch von anderen Kommandos und Außenlagern angefordert wurden. So wurden in den letzten Kriegsmonaten durch die konkurrierenden Interessen der verschiedenen KZ geschwächte, kranke und verwundete KZ-Häftlinge hin und her verschoben, was vielen das Leben kostete.
Die Zustände im KZ-Außenlager „Katzbach“ waren erbärmlich. Auf engstem Raum waren ständig mehrere hundert Menschen zusammengepfercht. Die Verpflegung war unzureichend, die hygienischen Verhältnisse katastrophal, die Häftlinge waren den Luftangriffen schutzlos preisgegeben. In der Zeit zwischen der Einrichtung im August 1944 und der Auflösung des Lagers im März 1945 starben mindestens 518 Menschen an Hunger, Krankheit und Folter. Mit den Toten auf den Transporten von und zu den Adlerwerken weist das KZ-Außenlager „Katzbach“ eine der höchsten Sterblichkeitsraten des KZ-Lagersystems auf.
Mit dem Näherrücken der US-Army wurde das Außenlager überhastet aufgelöst. In zwei Transporten erreichten zwischen dem 21. und 25. März 1945 900 Häftlinge das KZ Buchenwald. Die restlichen noch in den Adlerwerken verbliebenen Häftlinge wurden in der Nacht vom 24. auf den 25. März 1945 auf einen Todesmarsch geschickt, der über Dörnigheim, Hanau, Gelnhausen und Fulda führte. Von Hünfeld wurden die Überlebenden in einem Güterzug nach Buchenwald transportiert, wo am 30. März 280 Personen registriert wurden. Nach Zeitzeugenberichten starben etwa 120 bis 150 Häftlinge auf dem Todesmarsch. Die Gräber von sechs unbekannten Opfern, die ursprünglich auf dem Dörnigheimer Friedhof beigesetzt waren, finden sich heute auf der Kriegsgräberstätte in Schlüchtern.
Die kurze Zeit der Existenz des Lagers und die relativ dichte Abschottung vom Betriebsalltag in den Adlerwerken wie von der Frankfurter Öffentlichkeit haben bei nur bei wenigen in Frankfurt lebenden Zeitzeugen Erinnerungsspuren an das KZ-Außenlager hinterlassen. Weil die Stadtverwaltung weder am Aufbau noch an der Auflösung des Außenlagers beteiligt war, finden sich im Institut für Stadtgeschichte keine primären Quellen zur Organisationsstruktur. Vor allem ein Beerdigungsbuch und die Gräberliste des „Gemeinschaftsgrabs der polnischen KZ-Häftlinge“ dokumentieren die Leidensgeschichte der KZ-Opfer. Auf Initiative der Hamburger Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN) und des Hamburger Senats wurde 1949 auf dem Ohlendorfer Friedhof ein Ehrenmal errichtet, in das auch je eine Urne mit Aschen und Erden des früheren Arbeitserziehungslagers in Heddernheim und des KZ-Außenlagers in den Adlerwerken eingebracht wurden. Danach geriet das Lager fast in Vergessenheit. Erst ab Mitte der 50er Jahre spielte das Gedenken an das KZ-Außenlager in den Adlerwerken im öffentlichen Diskurs um die heutigen Grabanlagen am „Hiob“ im Gewann I bzw. im Gewann E 151 auf dem Frankfurter Hauptfriedhof und um ein zentrales „Mahnmal für die Opfer des Nazi-Terrors“ kurzzeitig wieder eine Rolle. Während am „Hiob“ Fremd- und Zwangsarbeiter aus unterschiedlichen Ländern beigesetzt wurden, wurden im Gewann E überwiegend Opfer des KZ-Außenlagers in den Adlerwerken beerdigt. In einer langen, intensiven Diskussion über das Mahnmal der KZ-Opfer an der Paulskirche, an der sich auch Eugen Kogon beteiligte, wurde das nationalsozialistische Lagersystem, einschließlich der KZ-Außenlager, analysiert.
Das Ausmaß der Zwangsarbeit im Außenlager „Katzbach“ in den Adlerwerken wurde erst durch die langjährigen Recherchen von Ernst Kaiser und Michael Knorn einer breiten Öffentlichkeit bekannt gemacht. Die vielfältigen Details sind in dem Buch „Wir lebten und schliefen zwischen den Toten“ erstmals 1994 veröffentlicht und 2011 in der vierten Auflage vorgelegt worden. Angesichts eines Besuches ehemaliger KZ-Häftlinge 1993 wurde auf dieser Grundlage und der Initiative des Vereins „Leben und Arbeiten im Gallus und Griesheim e.V.“ am ehemaligen Werksgebäude der Adlerwerke in der Kleyerstraße eine Gedenktafel angebracht. Der Platz gegenüber wurde 1998 nach zwei auf ihrer Flucht erschossenen Zwangsarbeitern, Adam Golub und Georgij Lebedenko, benannt.

Warum „Katzbach“?
Decknamen und Tarnbezeichnungen wurden meist für militärische Operationen und Objekte verwendet, finden sich aber auch in der nationalsozialistischen Rüstungs- und Kriegswirtschaft. Sie sollten der Verschleierung bzw. Irreführung von Aktionen, Operationen, Orten, Objekten etc. dienen. Mit Decknamen wurden auch die als „kriegsentscheidend“ eingestuften Maßnahmen der Kriegs- und Rüstungswirtschaft versehen. Vor allem die Untertageverlagerungen („U-Verlagerung“) von Fertigungsanlagen der Rüstungswirtschaft wurden aus Sicherheitsgründen mit Tarnbezeichnungen benannt. Der Reichsminister für Rüstung und Kriegsproduktion erließ dazu am 15. April 1944 Grundsätze, wie die unterirdischen „Verlagerungsbauten“ zu benennen sind. Verwendet werden sollten Namen bzw. Bezeichnungen aus der Biologie, Numismatik, Gesteinskunde und männliche Vornamen. Dadurch lassen sich aus den Tarnbezeichnungen der „U-Verlagerungen“ die Strukturen der rüstungswirtschaftlichen Maßnahmen und Zusammenhänge erschließen.
Das ist offenbar bei dem Decknamen für das KZ-Außenlager in den Adlerwerken anders. In den verstreuten Dokumenten wird das Lager unterschiedlich bezeichnet: „Katzbach“, „Frankfurt-Main“, meistens aber „Adlerwerke“. Anscheinend hat man unter dem Druck der militärischen Lage auf eine systematische Verschlüsselung der KZ-Außenlager und ihrer Funktionen in der Rüstungsproduktion verzichtet oder von einer Tarnbezeichnung ganz abgesehen. Weder für Walldorf, Bensheim-Auerbach noch für Geisenheim wurde ein Deckname verwendet.
„Katzbach“ wurde während der Kriegsjahre zweimal in ganz unterschiedlichen Zusammenhängen als Tarnbezeichnung benutzt. Das erste Mal 1941 in der Sowjetunion von der SS und dem SD zur Tarnung einer Festnahmeaktion gegen polnische Offiziere. Die Hintergründe für die Wahl dieser Tarnbezeichnung in diesem Fall müssen offenbleiben.
Als Deckname für das KZ-Außenlager in den Adlerwerken lassen sich gewisse historische Bezüge herstellen. Im Herbstfeldzug der Befreiungskriege begann am 26. August 1813 an dem schlesischen Flüsschen Katzbach unter dem Befehl von General Blücher eine ebenso entscheidende wie siegreiche Schlacht gegen die napoleonischen Truppen. Weil die Ausgangslage dieser Schlacht für die verbündeten preußischen und russischen Truppen zunächst ungünstig erschien, wurde der glückliche Sieg mit „der geht ran wie Blücher (an der Katzbach)“ sprichwörtlich tradiert. Der Lagerverwaltung in Natzweiler stand die bedrohliche militärische Lage aus eigener Anschauung überaus deutlich vor Augen. Angesichts der heranrückenden US-Army war das Lager bereits dezentralisiert und das Stammlager stand kurz vor der Räumung. Was lag – in der Logik der SS – näher, als das Außenkommando im Rückgriff auf die Geschichte mit der Durchhalteparole „Katzbach“ zu benennen? Wegen der eher beiläufigen Verwendung des Decknamens „Katzbach“ kann eine rüstungswirtschaftliche Codierung ausgeschlossen werden.


Literatur
  • Ernst Kaiser/Michael Knorn, „Wir lebten und schliefen zwischen den Toten. Rüstungsproduktion und Vernichtung in den Frankfurter Adlerwerken, 3. überarb. u. erw. Auflage, Frankfurt a. M./New York 1998
  • Nicole Catherine Müller, „Deckname Katzbach“ – Zwangsarbeit und Vernichtung im KZ-Außenlager der Adlerwerke Frankfurt am Main 1944/45, wiss. Prüfungsarbeit für das Lehramt an Gymnasien, Johannes Gutenberg-Universität, Main 2012
  • Robert Steegmann, Das Konzentrationslager Natzweiler-Stuthof und seine Außenkommandos an Rhein und Neckar 1941-1945, Berlin u. a. 2010

Zusätzliche Stichwörter
Institutionen/Orte/Begriffe:  Adlerwerke, vorm. Heinrich Kleyer AG - Zwangsarbeiterlager (1);   Adlerwerke, vorm. Heinrich Kleyer AG - Zwangsarbeiterlager (2);   Adlerwerke, vorm. Heinrich Kleyer AG - Zwangsarbeiterlager (3);  

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