Verschollen: Chorsänger Max Alexander (1885 – unbekannt)

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„Aus Berlin hörten wir von Rosel, daß viele Freunde … vor kurzem abgereist sind [= deportiert wurden]. Wir leben nun auch in größter Sorge – weniger um unser armseliges bisschen Selbst, mehr um das Schicksal von unseren lieben Else und Willi und Rosalie S. und unseren lieben Kinderchen …“
(Max Alexander an zwei seiner Schwestern, 20. März 1942)
Der Bassist Max Alexander kommt am 26. April 1885 im westpreußischen Goral zur Welt. Über den weiteren Lebensweg des antisemitisch Verfolgten ist wenig bekannt. Er heiratet unbekannten Datums Luise Kannenhagen. Das Ehepaar lebt in Frankfurt am Main.
Ab 1917 gehört Max Alexander sechzehn Jahre dem Frankfurter Opernchor an. Der vom NS-Oberbürgermeister kommissarisch eingesetzte Intendant Carl Stueber schickt den Sänger, fünf weitere Chormitglieder und drei Orchestermusiker noch vor der reichseinheitlichen Regelung durch das „Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“ in den Zwangsurlaub. Zum 23. Juni 1933 kündigen die Städtischen Bühnen dem 48-Jährigen wegen angeblicher „politischer Unzuverlässigkeit“ fristlos. Der neue Generalintendant Hans Meissner legt ihm zur Last, „daß er nationalsozialistische Mitglieder des Chores (Berufskollegen) in gehässiger Weise verfolgte, indem er ihren Ausschluß aus dem Chorsängerverband und Tänzerbund betrieben“ habe. Durch diese Begründung, die nicht auf Alexanders jüdische Herkunft abhebt, spart die Stadt die ansonsten vorgeschriebene dreimonatige Fortzahlung seiner bisherigen Bezüge. Vermutlich stützt sie sich auf Denunziationen von Mitgliedern der Nationalsozialistischen Betriebszellenorganisation.
Bis zur Geschäftsaufgabe im Jahr 1938 arbeitet Max Alexander als erster Buchhalter und Bürochef bei der Firma „Emil Stein oHG“ in der Kaiserstraße 79. Im Zusammenhang mit dem November-Pogrom 1938 verschleppt die Geheime Staatspolizei den Sänger vermutlich in das Konzentrationslager Buchenwald; Anfang Dezember kommt er wieder frei. Laut Deportationsliste ist Max Alexander 1942 zuletzt als Hilfsarbeiter beschäftigt. Vermutlich muss er damals Zwangsarbeit leisten wie seine Ehefrau, die bei der „Schoeller & Co. Elektrotechnische Fabrik“ in Sachsenhausen eingesetzt wird.
Das Ehepaar lebt im Westend, zunächst lange in der Körnerstraße 7 und 1942 schließlich in der Fürstenbergerstraße 177/II. Die Angaben über die Todesumstände von Max Alexander sind widersprüchlich. Laut Internationalem Suchdienst wird er am 11. Juni 1942 vermutlich in das Vernichtungslager Majdanek deportiert und dort wohl ermordet. Nach anderen Hinweisen stirbt er am 9. Mai 1942 in Frankfurt. Seine Ehefrau kommt vermutlich im Zwangsarbeiterlager Trawniki zu Tode.
Max Alexander ist auf der Gedenktafel der Städtischen Bühnen aufgeführt.


Literatur und Quellen
  • Heike Drummer/Jutta Zwilling (Bearb.)/Jüdisches Museum Frankfurt am Main (Hg.), Datenbank Gedenkstätte Neuer Börneplatz.
  • Judith Freise/Joachim Martini, Jüdische Musikerinnen und Musiker in Frankfurt 1933-1942, Frankfurt am Main 1990, S. 4 (Anhang).
  • Bettina Schültke, Theater oder Propaganda? Die Städtischen Bühnen Frankfurt am Main 1933-1945 (Studien zur Frankfurter Geschichte 40), Frankfurt am Main 1997, S. 54, 82, 105.
  • Institut für Stadtgeschichte Magistratsakte 5201.

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