Aus dem vermeintlich sicheren Exil ins Vernichtungslager: Kapellmeister Max Bertuch (1890– unbekannt)

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„Man kann von diesem hochbegabten Musiker noch viel erwarten, wenn er nur den richtigen Stoff in die Hände bekommt und an richtiger Stelle herauskommt.“ (nicht näher bezeichneter Artikel über Max Bertuch, Februar 1915)
Der spätere Kapellmeister, Librettist und Operettenkomponist Max Bertuch kommt am 28. Juni 1890 in Frankfurt am Main zur Welt. Er heiratet die fünf Jahre jüngere Lina Frohmann. Über seinen weiteren Lebensweg sind nur wenige Bruchstücke bekannt. Vermutlich um sich vor Verfolgungen nach dem Machtantritt der Nationalsozialisten zu schützen, tritt Bertuch am 13. März 1933 aus der jüdischen Gemeinde aus.
Bis 1940 veröffentlicht er teilweise gemeinsam mit anderen Autoren diverse Bühnenstücke, darunter als erstes 1915 die Operette „Die Liebesfahrt“. Zu diesem Zeitpunkt wirkt er als Kapellmeister des Hanauer Stadttheaters. Am Neuen Theater Frankfurt wird in der Spielzeit 1931/32 sein kurz zuvor entstandenes musikalisches Lustspiel in drei Akten „Ist das nicht nett von Colette?“ aufgeführt. Die Einstudierung übernimmt die während der NS-Zeit ebenfalls ermordete Hedwig Salomon.
Max Bertuch lebt zuletzt in Berlin-Schöneberg. Sein Name wird 1940 im „Lexikon der Juden in der Musik“ aufgeführt. Das diskriminierende Pamphlet gehört zu den Veröffentlichungen des in Frankfurt gegründeten „Instituts zur Erforschung der Judenfrage“ der NSDAP.
Die Ehefrau emigriert im April 1939 in die USA. Vermutlich versucht Max Bertuch, ihr zu folgen. Er flüchtet in das französische Exil, wird jedoch interniert. Im Lager Les Milles führt der Künstler im September 1939 Regie bei der Aufführung des Stückes „Im nicht ganz weißen Rössel“.
Er wird am 17. November 1942 vom Internierungslager Rivesaltes in das Lager Gurs und von dort am 3. März 1943 an einen unbekannten Ort verschleppt. Sein Name ist in der Deportationsliste des Transports 51 aufgeführt, der drei Tage später von Drancy in das Vernichtungslager Majdanek erfolgt, wo Max Bertuch wahrscheinlich zu Tode kommt.
Max Bertuch ist auf der Gedenktafel der Städtischen Bühnen aufgeführt.


Literatur
  • Heike Drummer/Jutta Zwilling (Bearb.)/Jüdisches Museum Frankfurt am Main (Hg.), Datenbank Gedenkstätte Neuer Börneplatz.
  • Judith Freise/Joachim Martini, Jüdische Musikerinnen und Musiker in Frankfurt 1933-1942, Frankfurt am Main 1990, S. 9 (Anhang).
  • Eva Weissweiler, Ausgemerzt! Das Lexikon der Juden in der Musik und seine mörderischen Folgen, Freiburg 1999, S. 389.
  • Friedrich-Ebert-Stiftung (Hg.), Zwischen Ausgrenzung und Vernichtung. Jüdische Musikerinnen und Musiker in Leipzig und Frankfurt a. M. 1933-1945. Begleitheft zur gleichnamigen Ausstellung der Friedrich-Ebert-Stiftung, Leipzig 1996, S. 60.
  • Thomas Siedhoff, Das Neue Theater in Frankfurt am Main 1911-1935. Versuch der systematischen Würdigung eines Theaterbetriebs (Studien zur Frankfurter Geschichte 19), Frankfurt am Main 1985, S. 409.

Zusätzliche Stichwörter
Institutionen/Orte/Begriffe:  Institut zur Erforschung der Judenfrage;   Städtische Bühnen;  

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