Der braune Fußball – Eintracht und FSV

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Platzwahl. Die Aufnahme entstand Anfang der 30er Jahre bei einem Lokalderby zwischen dem FSV (links) und der Eintracht (rechts) im Frankfurter Waldstadion

Adolf Hitler war bekanntlich kein Fußballfan. Auf die „Machtergreifung“ durch Hitlers NSDAP Anfang 1933 folgte die Gleichschaltung der Sportvereine. Reichssportführer Hans von Tschammer und Osten verordnete allen Vereinen eine Einheitssatzung, die eine Umstellung auf das Führerprinzip und den Ausschluss der jüdischen Mitglieder verlangte. Hiervon waren auch die beiden großen Fußballvereine der Mainmetropole, der Fußballsportverein Frankfurt (FSV) und die Sportgemeinde Eintracht Frankfurt, betroffen.


Grundsteinlegung für die Tribüne des FSV-Sportplatzes am Bornheimer Hang 1930

Heimspiel. Der Haupteingang zum FSV-Sportplatz am Bornheimer Hang um 1931


An der Spitze des FSV hatten seit 1924 mit David Rothschild und Alfred J. Meyers nacheinander zwei jüdische Vorsitzende gestanden. Der Arzt Rothschild emigrierte 1933 nach Stockholm, wo er 1936 verstarb. 1931 noch als Erbauer der Sportplatzanlage am Bornheimer Hang gefeiert, musste Meyers 1933 vom FSV-Vorsitz zurücktreten. Meyers überlebte die NS-Diktatur im amerikanischen Exil. Die Schatzmeister Siegbert Wetterhahn (FSV) und Hugo Reiß (Eintracht) mussten 1933 ihre Ämter aufgrund ihres jüdischen Glaubens ebenfalls aufgeben und emigrierten beide nach den USA.
Jüdische Unternehmer hatten der Eintracht in der Vergangenheit wiederholt in großzügiger Weise unter die Arme gegriffen, weshalb der Klub von seinen Gegnern gerne als „Judenverein“ verunglimpft wurde. Nach den offiziellen Bestimmungen des Deutschen Fußball-Bundes unterlagen die Erstligaspieler dem Amateurstatus. Dennoch war es ein offenes Geheimnis, dass viele Spitzenspieler unter der Hand finanzielle Zuwendungen bekamen oder durch die Beschaffung eines Arbeitsplatzes von ihrem Verein unterstützt wurden. Mit Rudolf Gramlich, Hugo Mantel, Franz Schütz, Hans Stubb, Karl Ehmer und Willi Lindner standen um 1935 gleich sechs Eintracht-Spieler bei dem Frankfurter Schuhhersteller „J. & C. A. Schneider“ in Lohn und Brot. Die Firma Schneider wurde von den Brüdern Fritz und Lothar Adler sowie von Walter Neumann geleitet und produzierte in erster Linie Hausschuhe („Schlappe“), was der Eintracht sehr bald den Spitznamen „Schlappekicker“ eintrug. Die jüdischen Firmeninhaber emigrierten bis 1938 in die USA.
Der sportliche Erfolg blieb für die beiden Erstligisten Eintracht und FSV in der 1933 neu eingerichteten Gauliga Südwest zunächst aus. Im März 1938 herrschte zumindest bei der Eintracht wieder Hochstimmung. Mit einem 4:2-Sieg sicherten sich die von Paul Oßwald trainierten „Adlerträger“ die Gau-Meisterschaft. Anschließend musste sich die Eintracht in den Gruppenspielen um den Einzug in das Halbfinale der deutschen Meisterschaft zwar dem Hamburger SV geschlagen geben, dafür sorgte aber 1938/39 der FSV im deutschen Vereinspokal für Furore.

Zur „Olympia-Werbung 1936“ wurde ein Hallensportfest veranstaltet. Oberbürgermeister Krebs (verdeckt) nimmt die Siegerehrung vor. Im Vordergrund Mitglieder der Hallenmannschaft von Eintracht Frankfurt


Um die Zeit zwischen den Meisterschaftsrunden zu überbrücken, hatte das Fachamt Fußball 1935 den Vereinspokalwettbewerb eingeführt und die zu gewinnende Trophäe nach dem Reichssportführer „Tschammer-Pokal“ getauft. Nach Pokalerfolgen im Gau Südwest und in Hessen setzte der FSV 1938 seinen aufsehenerregenden Siegeszug fort und traf im Endspiel am 8. Januar 1939 im Berliner Olympiastadion auf den zwölfmaligen österreichischen Meister Rapid Wien. Seit dem im März 1938 von Hitler herbeigeführten Anschluss der „Ostmark“ an das Deutsche Reich nahmen auch österreichische Klubs an dem deutschen Vereinspokalwettbewerb teil. Der 3:1-Sieg der Wiener stellte den Spielverlauf auf den Kopf. Die nach Berlin mitgereisten FSV-Fans fühlten sich und ihre Mannschaft durch die vom Schiedsrichter nicht geahndete unfaire Spielweise der Österreicher um den verdienten Sieg betrogen und skandierten im Olympiastadion: „Von Tschammer und Osten, dein Pokal soll verrosten!“

Sportliche Ehren zu Kanonenkugeln: Die „Metallspende des deutschen Volkes“ des FSV Frankfurt zu Hitlers Geburtstag 1940


Nach Kriegsausbruch ruhte der Fußball nur für kurze Zeit. Die auf Gauebene bis 1944/45 ausgerichteten Meisterschaften litten jedoch mit Fortdauer des Krieges zunehmend unter dem Mangel an Spielern. Aufgrund ständig wechselnder, durch Gastspieler und Fronturlauber ergänzter Mannschaftsaufstellungen regierte bei den Meisterschaftsspielen bald nur noch der Zufall. Während des Zweiten Weltkriegs gewannen weder der FSV noch die Eintracht eine Gaumeisterschaft.
Der Krieg erfasste alle Lebensbereiche. Seit 1940 war auf dem FSV-Sportplatz eine Flakbatterie der Wehrmacht stationiert. Die zur Sicherung der nahe gelegenen Rangiergleise des Ostbahnhofs am Bornheimer Hang postierten Flakgeschütze machten das FSV-Gelände zum Ziel für alliierte Bomberverbände. 1943 wurde der Bornheimer Hang bei einem Luftangriff schwer beschädigt, der Eintracht-Sportplatz am Riederwald zur Deponie für Trümmerschutt umfunktioniert. Zuletzt schlossen sich im November 1944 sogar die Erzrivalen Eintracht und FSV zu einer „Kriegssportgemeinschaft“ zusammen, um weiter an den Meisterschaftsspielen teilnehmen zu können. Längst war das „Tausendjährige Reich“ in heller Auflösung begriffen, als am 4. März 1945 in Frankfurt das vorerst letzte Fußballspiel stattfand.


Literatur
  • Thomas Bauer: Frankfurt am Ball. Eintracht und FSV – 100 Jahre Fußballgeschichte, Frankfurt a. M. 1999
  • Ulrich Matheja: Eintracht Frankfurt. Schlappekicker und Himmelsstürmer, Göttingen 1998

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