Chorsänger Adolf Grünhut (1875–1933): Eines der ersten Frankfurter NS-Opfer

Druck

„Bei dem frühzeitig verbrauchten Mann – mit 57 J. Pensionierung – hat das wirklich unvorhergesehene Ereignis der Verspottung und Misshandlung auf einem öffentlichen Platz einen groben Schock hervorgerufen. Einen Tag nach dem Ereignis erfolgte der Tod … Der Zusammenhang des Todes mit der Verfolgung wird bejaht.“ (amtsärztliches Obergutachten zum Tode von Adolf Grünhut, 1933)
Der Sänger Adolf Grünhut kommt am 28. Februar 1875 im tschechischen Brünn zur Welt, wo er 1922 auch heiratet. Nach nationalsozialistischer Definition handelt es sich um eine „Mischehe“: Er ist Jude, die Ehefrau Katholikin. Das Paar nimmt eine Pflegetochter auf.
Als Chorsänger, später erster Chortenor, gehört Adolf Grünhut ab 1. September 1905 zum Ensemble der Oper Frankfurt am Main. Aus gesundheitlichen Gründen scheidet er 1932 nach 27 Jahren bei den Frankfurter Bühnen aus.
Laut Zeugenaussage spielt sich am 31. Oktober 1933 folgender Vorgang ab: Adolf Grünhut geht in der Taunusanlage spazieren, als ein SS-Mann ihn auffordert, seine Legitimation vorzuweisen. Dieser schlägt den Pensionär sodann und zerrt ihn zu einem am Opernhaus sitzenden Karikaturisten, der ihn als polnischen Juden mit langem Kaftan zu zeichnen hat. Die Bildunterschrift lautet: „Bänkelsänger und Jud vom Opernhaus“. Der SS-Mann hängt ihm diese Karikatur unter dem Gejohle der versammelten Menge um den Hals und treibt den 58-jährigen Mann nach Hause. Dort bittet Adolf Grünhut seine Frau in großer Angst, ihn in den Keller zu bringen, weil er sich nur noch hier sicher fühle. Der herbeigerufene Arzt verabreicht ihm eine Beruhigungsspritze, doch Adolf Grünhut stirbt plötzlich am nächsten Tag aufgrund der Aufregung an akuter Herzmuskellähmung.
Grünhuts Ehefrau erhält ab dem 1. November 1933 Witwengeld. Sie schließt sich der NSDAP an und leitet zeitweise ehrenamtlich eine Küche der Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt.
Adolf Grünhut ist auf der Gedenktafel der Städtischen Bühnen aufgeführt.


Literatur und Quellen
  • Heike Drummer/Jutta Zwilling (Bearb.)/Jüdisches Museum Frankfurt am Main (Hg.), Datenbank Gedenkstätte Neuer Börneplatz.
  • Institut für Stadtgeschichte Personalakten 59 552 (Ehefrau), 74 137.

Zusätzliche Stichwörter
Institutionen/Orte/Begriffe:  Städtische Bühnen;  

  • Weitere Beiträge zu verwandten Themen
  • Heike Drummer/Jutta Zwilling  

    Impressum © Stadt Frankfurt am Main. Text erstellt 2010, aktualisiert am: 26.10.2015