„Die Krönung unserer eigenen Wiedergutmachungspflicht“
Die Stadt Frankfurt am Main und die Rückkehr des Instituts für Sozialforschung

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Der von kommunistischen Ideen beeinflusste Millionärssohn Felix Weil (1898–1975) überzeugte seinen Vater von einer Stiftung, die erstmals den institutionellen Rahmen zur Erforschung des Marxismus ohne Rücksichtnahme auf den bürgerlichen Wissenschaftsbetrieb bilden sollte. Das 1924 entstandene Institut für Sozialforschung gehörte zu der erst zehn Jahre zuvor gegründeten Frankfurter Universität. Die finanzielle wie organisatorische Eigenständigkeit und der Lehrstuhl für den Leiter des Instituts waren durch großzügiges Entgegenkommen der Trägergesellschaft gegenüber der Universität erreicht worden. Stifter und viele Mitarbeiter des Instituts entstammten jüdischen Familien. Als außergewöhnlich galt, dass ein großer Teil der Mitarbeiter der KPD angehörte.

Die Kritische Theorie hat ihre Keimzelle in Frankfurt
Unter dem ersten Direktor Carl Grünberg (1861–1940) lag der Forschungsschwerpunkt auf historisch-empirischen Untersuchungen zur Arbeiterbewegung und zum Sozialismus. Am Institut entstanden auch die ersten Bände einer unvollendet gebliebenen kritischen Marx-Engels-Edition. Seit 1930 leitete der Sozialphilosoph Max Horkheimer das Institut. Er rief 1931/32 die „Zeitschrift für Sozialforschung“ ins Leben und setzte neue Akzente: Die interdisziplinäre Forschungsarbeit von Philosophen und empirischen Sozialwissenschaftlern sowie die Förderung der Psychoanalyse zielten auf die Entwicklung einer Gesellschaftstheorie. Die im Exil unter dem Namen „Frankfurter Schule“ bekannt gewordene „Kritische Theorie“ mit Max Horkheimer, Herbert Marcuse und Theodor W. Adorno an der Spitze, fand bald weltweite Beachtung.

Vertreibung aus Frankfurt
Das Institut stand 1933 in doppelter Hinsicht im Fokus nationalsozialistischer Verfolgung: einerseits als ausdrücklich marxistisches und andererseits als überwiegend von Mitarbeitern jüdischer Herkunft getragenes Forschungsinstitut. Im März 1933 beschlagnahmten die Nationalsozialisten das Institut und seine 60.000 Bände umfassende Bibliothek. Vorausschauend waren schon zuvor Teile des Vermögens als Basis für die Weiterarbeit im Exil in die Niederlande transferiert worden. Auch den Mitarbeitern gelang rechtzeitig die Flucht in das Exil. Das Institut etablierte sich später in den USA

Anknüpfung an demokratische Strukturen nach 1945
Im Bewusstsein, „daß Frankfurt reich und groß wurde, nicht zuletzt durch die Leistungen und die Arbeit seiner jüdischen Mitbürger“, rief Frankfurts Oberbürgermeister Walter Kolb in seiner ersten, am 1. Januar 1947 von Radio Frankfurt gesendeten Neujahrsbotschaft emigrierte jüdische Bürger der Stadt auf, „trotz aller Not und allen Mißtrauens“ wieder zurückzukehren. Damit erhielten die Einladungen zur Rückkehr Max Horkheimers und des Instituts für Sozialforschung, die die Goethe-Universität und ihre Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Fakultät, das Hessische Kultusministerium sowie die Stadt bereits im Oktober 1946 ausgesprochen hatten, eine allgemeinpolitische öffentliche Einbindung.
Gegenüber der Frankfurter Schule kam die Kontaktaufnahme jedoch erst auf sanften Druck des Institutsgründers Felix Weil zu Stande. So kurz nach Kriegsende spielte dabei neben dem Gedanken der „Wiedergutmachung“ auch der Wunsch eine Rolle, das während der NS-Zeit propagandistisch als „Stadt des Deutschen Handwerks“ etikettierte Frankfurt und die bis 1945 gleichgeschaltete Universität ausdrücklich antinazistisch zu positionieren. Schon der erste Nachkriegsrektor der Universität Georg Hohmann führte in einem Memorandum zur „Geschichte der Vorbereitung zur Wiedereröffnung der Frankfurter Universität“ aus, die „Wiedergutmachung auf dem Gebiet der Universität liegt uns auch insofern am Herzen, als wir solche Dozenten, die aus politischen, religiösen oder rassischen Gründen entlassen oder zurückgesetzt waren, wieder in ihre alten Rechte und Positionen einsetzen wollen. Oberbürgermeister Kolb schrieb schon im November 1946 an Weil und den Freund Horkheimers Friedrich Pollock, es könne der Mainmetropole „kein erfreulicheres Geschenk gemacht werden als die Wiederkehr einer Institution, die in so hohem Masse … das Ansehen der Stadt … überall in der Welt vermehren könnte“.
Nach längerem Zögern reiste Horkheimer im April 1948 nach Frankfurt. „Die freundliche Art“, in der die Einladung ausgesprochen wurde, bildete dafür „einen wichtigen Gesichtspunkt“. Im Umfeld der Feierlichkeiten zur Hundertjahrfeier der ersten deutschen Nationalversammlung in der wiedererrichteten Paulskirche, wo dem „Herzenswunsch“ Kolbs entsprechend ganz Deutschland „ein Bekenntnis zur Demokratie“ ablegte, kam Horkheimer unter anderen mit Frankfurts Oberbürgermeister sowie dem Hessischen Minister für Kultus und Unterricht Erwin Stein (1903-1992) zusammen. Die Gespräche bestärkten ihn, entgegen der etwa von Weil geäußerten Bedenken die Rückkehr zu wagen.

Die Entscheidung zur Rückkehr nach Deutschland
CDU-Minister Stein, dessen jüdische Ehefrau sich angesichts der drohenden Deportation 1943 das Leben genommen hatte, versprach, die Voraussetzungen für Horkheimers Wiedereinsetzung auf dem „widerrechtlich entzogenen Lehrstuhl“ zu schaffen. Dabei ging es ihm explizit um eine Neuorientierung „für die nach Wegen suchende deutsche akademische Jugend“. In diesem Punkt verbanden sich die Interessen des Remigranten, der Stadt, des Landes Hessen und auch der US-Militärregierung. Letztere wollte ihre Reeducation-Bemühungen allmählich an offizielle deutsche Stellen abgeben. Gerade die Universitäten und auch die neu gegründeten Politiklehrstühle hielten dabei alle für besonders wichtig. Horkheimer selbst hoffte, durch seine „Mitarbeit an der Erziehung“ dazu beizutragen, „dass ein demokratisches Deutschland eine positive Kraft für die Erhaltung der Zivilisation in Europa wird“.
Durchaus zwiespältig wirkte die Beteiligung mancher Universitätsrepräsentanten an den Bemühungen, das Institut für Sozialforschung erneut nach Frankfurt zu holen. So empfahl der Finanzwissenschaftler Wilhelm Gerloff (1880-1954) im September 1946 dem Universitätskuratorium, „die über sehr große Mittel“ verfügende Gesellschaft für Sozialforschung um Rückkehr nach Frankfurt zu bitten. Die Erklärung zur Trennung von Universität und Institut für Sozialforschung aus dem Jahr 1933 trägt jedoch Gerloffs Unterschrift. Und der geschäftsführende Vorsitzende des Universitätskuratoriums Paul Klingelhöfer beeilte sich, Weil und Pollock 1948 zu versichern, die Universität und ihre Verwaltungsstellen hätten „nie die fruehere Zusammengehoerigkeit mit der Gesellschaft [für Sozialforschung] vergessen“. Zehn Jahre zuvor hatte eben dieser Ministerialrat den Erlass des Preußischen Kultusministeriums zur Verteilung der Bestände aus der durch die Geheime Staatspolizei beschlagnahmten Institutsbibliothek unterzeichnet.
Horkheimer schilderte seiner Gattin die merkwürdige Atmosphäre bei seinem ersten Besuch 1948: „Die Fakultät … ist überfreundlich und erregt Brechreiz. Die Brüder sitzen noch genauso da und machen ihre heimtückischen kleinen Schelmenstreiche wie vor dem Dritten Reich (und unter ihm) als ob nichts geschehen wäre.“ Solchen personellen Kontinuitäten stand als Folge der Entnazifizierung eine „besorgniserregende Verkümmerung des Lehrkörpers [beispielsweise] der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät“, die zeitweise nicht einen aktiven Ordinarius mehr besaß, gegenüber. Vor diesem Hintergrund bedeutete die Rückgewinnung renommierter Wissenschaftler aus dem Exil ein zentrales bildungspolitisches Ziel von Stadt und Land. Die schon im Sommersemester 1948 aufgenommenen Gastvorlesungen Horkheimers und später Theodor W. Adornos füllten hier eine schmerzliche Lücke.
Am 13. Juli 1949 beschloss das hessische Kabinett nach komplizierten Verhandlungen über Planstellen die Ernennung Horkheimers zum ordentlichen Professor auf einen neu geschaffenen Lehrstuhl für Philosophie und Soziologie an der Johann Wolfgang Goethe-Universität. Unbürokratisch haben sowohl die Landesregierung als auch amerikanische Stellen die zum 1. Mai 1949 rückwirkende Berufung ermöglicht, da Horkheimer seine 1940 erworbene US-Staatsbürgerschaft beibehalten wollte.
Minister Stein begründete die Berufung als „eines der wichtigsten und verheissungsvollsten Ereignisse der Nachkriegszeit auf dem Gebiete des deutschen Hochschulwesens ... sowohl wegen der hohen menschlichen Eigenschaften [Horkheimers] … als auch wegen der wissenschaftlichen, pädagogischen und politischen Impulse, die Professor Horkheimer zu geben vermag“. Für Horkheimer folgte auch universitär rasch die institutionelle Anerkennung durch die Wahl in wichtige Ämter: 1950 bestimmt ihn die Philosophische Fakultät zum Dekan. Von 1951 bis 1953 folgte er dem ehemaligen SA-Mitglied und Vertrauensmann zwischen Universität und NSDAP Boris Rajewski als Rektor, was international und besonders bei der jüdischen Lobby in den USA für wohlwollendes Aufsehen sorgte. Bürgermeister Walter Leiske (1889-1971) würdigte bei der Amtseinführung die „beispielhafte Versöhnung“ durch Horkheimer und führt weiter aus: „Deshalb empfinden wir alle Ihre Wahl zu dem höchsten akademischen Amt unserer Johann-Wolfgang-Goethe-Universität als die Krönung unserer eigenen Wiedergutmachungspflicht.“

Die Integration anderer Exponenten der Frankfurter Schule in die Personalstrukturen der Goethe-Universität folgte dann nur langsam; und zunächst waren die Berufungen auf außerordentliche Professuren auch mit dem Makel von „Wiedergutmachungslehrstühlen“ behaftet. So erhielt Pollock 1951 eine außerordentliche, 1958 eine ordentliche Professur für Volkswirtschaftslehre und Soziologie. Adorno bekam 1953 eine außerordentliche Professur für Philosophie und Soziologie, die vier Jahre später ebenfalls in eine ordentliche überführt wurde.

Die Wiedererrichtung des Instituts für Sozialforschung
Parallel zu den Berufungsverhandlungen lief die Wiedererrichtung des Instituts. Im Vereinsregister wurde die Gesellschaft für Sozialforschung am 26. Juli 1949 registriert. Diese stellte umgehend den Antrag zur Rückerstattung des während der NS-Zeit entzogenen und kriegszerstörten Stammsitzes in der Senckenberganlage 35. Die wenigen nutzbaren Räume waren vom anthropologischen Institut belegt und mussten mühsam frei gekämpft werden. Kämmerer Georg Klingler (1897-1985) erklärte, die Stadt sei „zu jedem Entgegenkommen und zu jeder Mitarbeit bereit“. In den Gesprächen kristallisierten sich drei mögliche Varianten für den künftigen Sitz des Instituts heraus: Wiederherrichtung der Ruine, ein Neubau entweder auf einem Trümmergrundstück Bockenheimer Landstraße/Ecke Palmengartenstraße oder an Stelle der früheren Villa Kotzenberg, Senckenberganlage 26. Während das Institut zunächst eine provisorische Wiederherrichtung der Ruine plante, argumentierten Universität und Stadt dagegen: Dies wäre eine kostspielige Notlösung und perspektivisch stände das alte Institutsgelände dem geplanten Bau der künftigen Universitätsbibliothek im Wege. So einigten sich die Vertreter von Institut, Universität und Stadt im Juli 1949 auf einen Geländetausch. Das Institut erhielt für die 1950 rückerstattete Liegenschaft das enttrümmerte Grundstück der Villa Kotzenberg und einen ausschließlich für den Neubau verwendbaren Wertausgleich in Höhe von 100.000 D-Mark.
Oberbürgermeister Kolb betonte nicht nur seine Freude über „die schönen Pläne“, die „unsere Stadt wieder zu einem Mittelpunkt der modernen Gesellschaftsforschung werden lassen“, die Stadt unterstützte den Neubau des Instituts 1951 auch mit einem einmaligen Zuschuss in Höhe von 50.000 D-Mark. Ein weiteres Darlehen in Höhe von 55.000 D-Mark wandelte der Magistrat 1952 ebenfalls in einen Zuschuss um. Zentral für die rasche Realisierung des Neubaus war ein Zuschuss in Höhe von 236.000 D-Mark des US-Hochkommissars John J. McCloy, der sein Hauptziel in der Einbindung Westdeutschlands in die „freiheitliche“ Staatengemeinschaft sah. Dafür betrachtete er neben dem wirtschaftlichen Wiederaufbau die Verankerung der Demokratie in Deutschland als essenziell. Den Rest der Baukosten bestritt die Gesellschaft für Sozialforschung.
Am 14. November 1951 war es dann endlich so weit: Das 1933 aus Frankfurt vertriebene Institut für Sozialforschung eröffnete in Anwesenheit von Oberbürgermeister Walter Kolb seinen Neubau. Noch am selben Tag genehmigte der hessische Innenminister die Stiftung des Instituts für Sozialforschung, in deren Vorstand anfangs drei, später nurmehr ein städtischer Vertreter entsandt wurde. Frankfurt beteiligte sich ab 1951 mit einem Drittel an den Betriebskosten des Instituts; ein weiteres Drittel trugen das Land und die Stiftung. Allerdings verfügte das Institut nach 1945 nicht mehr über eigenes Vermögen und blieb wegen der geringen Zuwendungen von Stadt und Land auf Drittmittelfinanzierungen seiner Forschungsprojekte angewiesen.
Die auf der Frankfurter Schule ruhenden Hoffnungen von Stadt, Land und US-Hochkommissar wurden nicht enttäuscht. Die Goethe-Universität fand mit der Rückholung des Instituts und seiner vielfältigen Kontakte wieder Anschluss an die internationale Forschungsgemeinschaft, speziell in den Sozialwissenschaften, und konnte einen bedeutenden Beitrag zur Reeducation leisten. Das Institut fungierte dabei als „der einzige kollektive Repräsentant der Weimarer Kultur, der das Exil überdauerte und zurückkehrte, um eine Brücke zwischen Deutschlands kultureller Vergangenheit und seiner nachnazistischen Gegenwart zu schlagen“. Angesichts der 1949 gescheiterten Bewerbung als Bundeshauptstadt war gerade für Frankfurt, das mit der Vertreibung und Ermordung seiner traditionsreichen jüdischen Gemeinde einen immensen intellektuellen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Aderlass zu verkraften hatte, diese partielle Wiederherstellung kultureller Kontinuität ein wichtiges Element seiner Identitätsfindung; bald mit Ausstrahlung in die ganze Bundesrepublik.

Ehrungen für die Repräsentanten der Frankfurter Schule
Als führendem Repräsentanten des Instituts für Sozialforschung erwiesen Stadt und Land vor allen Max Horkheimer vielfach ihre Dankbarkeit. So zeigte sich die Wertschätzung etwa in der demonstrativen Einladung zum vierten Jahrestag der Hessischen Verfassung 1950, wo er im Staatstheater Wiesbaden unter dem Motto „Wer die Freiheit liebt, verteidigt sie“ die Festrede hielt.
Die Stadt Frankfurt dokumentierte ihre Verbundenheit mit Horkheimer aber auch durch Unterstützung in Privatangelegenheiten. So übernahm sie 1950 die Zahlung eines Abstandes in Höhe von 6.300 D-Mark, damit er aus einem von den US-Behörden zur Verfügung gestellten Hotelzimmer in eine Wohnung, Westendstraße 79, umziehen konnte. Mit Ende seiner zweijährigen Amtszeit als Rektor der Universität überreichte ihm am 12. November 1953 Oberbürgermeister Kolb die Goethe-Plakette der Stadt Frankfurt für Verdienste auf kulturellem Gebiet; übrigens erhielt diese auch schon sein Vorgänger Rajewski bei seinem Ausscheiden als Rektor.
Horkheimers Bedeutung für Frankfurt und Hessen zeigte sich 1954 erneut, als er einen Ruf in die USA erhielt. Der Magistrat „bezeichnet es als erwünscht, wenn Herr Prof. Horkheimer mit der Leitung des Instituts für Sozialforschung mindestens nach aussen sichtbar verbunden bliebe“. Ministerpräsident Georg-August Zinn schaltete sich 1955 sogar persönlich ein und machte das Interesse der Hessischen Landesregierung am Verbleiben Horkheimers „an unserer Frankfurter Universität“ und „im Interesse der deutsch-amerikanischen kulturellen Beziehungen und … der Erziehung unserer deutschen Jugend im demokratischen Geiste“ deutlich. Horkheimer war jedoch nicht jede Anerkennung willkommen. So wurde auf seinen Wunsch der Vorschlag des Hessischen Ministeriums für Erziehung und Volksbildung, ihn zum 60. Geburtstag mit dem Großen Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland zu danken, nicht weiter betrieben. Insofern wirft die Verleihung der höchsten städtischen Auszeichnung, der Ehrenbürgerschaft, an Horkheimer zu dessen 65. Geburtstag am 14. Februar 1960 ein besonders positives Licht auf das Verhältnis zwischen dem Wissenschaftler und der Stadt. Horkheimer nahm die Ehrung mit den Worten entgegen: „Ich fühle, daß Sie … zu den Dingen, für die wir stehen, ja sagen,“ und erinnerte vor allem an die Unterstützung des verstorbenen Oberbürgermeisters Kolb und von Kämmerer Klingler. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung lobte den einstimmigen Beschluss von Magistrat und Stadtverordnetenversammlung, diese 17. Ehrenbürgerschaft seit 1795 an Horkheimer zu vergeben: „Man kann ohne Übertreibung sagen, daß mit dieser persönlichen Ehrung einer jener selten möglichen Akte gelang, das große in seiner geistigen und menschlichen Tradition durch die Zäsur 33-45 gestörte städtische Gemeinwesen wieder zur Einheit und Kontinuität zu führen.“
Die anderen Repräsentanten der Frankfurter Schule erfuhren solche Ehrungen nur schleppend. Theodor W. Adorno erhielt 1963 die Frankfurter Goethe-Plakette und Felix Weil im gleichen Jahr die seit 1952 verliehene Ehrenplakette der Stadt, mit der Friedrich Pollock schließlich zu seinem 75. Geburtstag 1969 ebenfalls ausgezeichnet wurde. Seit 1977 verleiht die Stadt Frankfurt außerdem alle drei Jahre zum Geburtstag Theodor W. Adornos einen ihm gewidmeten und mit 50.000 Euro dotierten Preis zur Förderung und Anerkennung hervorragender Leistungen in Philosophie, Musik, Theater und Film. Nach dem zweiten Nachkriegsinstitutsleiter Adorno, der lange in städtischer Würdigung hinter Horkheimer zurückstand, benannte Frankfurt anlässlich dessen 100. Geburtstages 2003 einen Platz nahe dem Campus Bockenheim und platzierte dort ein Denkmal für den Wissenschaftler. So hält die Stadt auch im öffentlichen Raum bis heute die Erinnerung an die Frankfurter Schule wach. Leo Löwenthal, nicht zurückgekehrt, erhielt 1982 die Goethe-Plakette der Stadt Frankfurt, 1985 das Bundesverdienstkreuz und den Adorno-Preis.

Literatur
  • Clemens Albrecht, „Das Allerwichtigste ist, daß man die Jugend für sich gewinnt“. Die kultur- und bildungspolitischen Pläne des Horkheimer-Kreises bei der Reemigration, in, Clemens Albrecht u.a. (Hg.), Die intellektuelle Gründung der Bundesrepublik. Eine Wirkungsgeschichte der Frankfurter Schule. Frankfurt am Main 2000.
  • Heike Drummer / Jutta Zwilling, „Die Krönung unserer eigenen Wiedergutmachungspflicht“. Die Stadt Frankfurt am Main und das Institut für Sozialforschung, in: Monika Boll / Raphael Gross (Hg.), Die Frankfurter Schule und Frankfurt. Eine Rückkehr nach Deutschland, Frankfurt am Main 2009, S. 18–29.
  • Martin Jay, Dialektische Phantasie. Die Geschichte der Frankfurter Schule und des Instituts für Sozialforschung 1923-1950, Frankfurt am Main 1976.

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