Die Eröffnung des Auschwitz-Prozesses im Frankfurter Römer

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Eröffnung des Auschwitz-Pozesses am 20. Dezember 1963 im Frankfurter Römer

Anfangs hatte sich der Prozessbeginn dadurch verzögert, dass in Frankfurt kein Saal existierte, der für ein solches „Mammutverfahren“ wie den Auschwitz-Prozess geeignet gewesen wäre. Der Bau eines neuen Schwurgerichtssaales hätte den Beginn der Hauptverhandlung noch weiter verzögert. Die Stadtverwaltung Frankfurt stellte in dieser Situation den Saal der Stadtverordneten im ersten Stock des Frankfurter Römers, der auch eine Tribüne für Presse und Zuschauer hat, zur Verfügung, dies jedoch nur vorübergehend bis zur Fertigstellung eines neuen Bürgerhauses im Frankfurter Gallusviertel. Dort waren beim Innenausbau die Bedürfnisse des Gerichts berücksichtigt worden.
Im Frankfurter Römer, im Zentrum der Stadt, wo gerade der Weihnachtsmarkt stattfand, wurde am 20. Dezember 1963 das Gerichtsverfahren Strafsache 4 Ks 2/63 gegen Mulka und andere eröffnet, das als der Frankfurter Auschwitz-Prozess in die Geschichte eingehen sollte. 22 Angeklagte, ausschließlich Männer, standen vor Gericht. Alle hatten, bis auf einen ehemaligen Häftling, der Waffen-SS angehört. Lediglich neun von ihnen befanden sich zu dieser Zeit in Untersuchungshaft, während sich die anderen frei bewegen konnten. Im Gerichtssaal hingen mehrere große Karten, die das Stammlager Auschwitz, das Lager in Auschwitz-Birkenau, die Region um Auschwitz und das Krematorium zeigten. Mehr als 100 Vertreter der deutschen und internationalen Presse wohnten der Eröffnung des Prozesses bei und berichteten in den folgenden mehr als eineinhalb Jahre intensiv über dessen Verlauf.


Leicht gekürzter Text aus: Monica Kingreen, Der Auschwitz-Prozess 1963–1965. Geschichte, Bedeutung und Wirkung, (Pädagogische Materialien Nr. 8, Fritz Bauer Institut), Frankfurt am Main, 2004, S.17

Zusätzliche Stichwörter
Ereignisse:  Erster Frankfurter Auschwitz-Prozess;  
Institutionen/Orte/Begriffe:  Haus Gallus;  

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