Die „Gleichschaltung“ der Polizei

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Hissen der Hakenkreuzfahne auf dem Frankfurter Polizeipräsidium am 8. März 1933, zeitgenössische Fotografie

Als am 8. März 1933 die Hakenkreuzfahne auf dem Polizeipräsidium gehisst wird, ist seit fast vier Wochen ein SA-Mann Polizeipräsident und die Gleichschaltung der Frankfurter Polizei längst erfolgt. Am 13. Februar hatte Hermann Göring in seiner Eigenschaft als preußischer Innenminister auch den langjährigen Frankfurter Polizeipräsidenten Ludwig Steinberg als „roten Parteibuchbeamten“ entfernen lassen. Neuer Polizeipräsident wird Generalmajor a. D. von Westrem zum Gutacker, der in Wiesbaden als Pensionär lebte, 1931 in die NSDAP eingetreten war und es bis zum SA-Standartenführer gebracht hatte. Mit der Ernennung der SA zur Hilfspolizei, die gemeinsam mit der regulären Polizei auftrat, bekam die SA-Führung die Kontrolle über den Polizeistreifendienst.

Am Tag von Potsdam, mit zahllosen Parallelveranstaltungen im Reich, hielt von Westrem zum Gutacker die Rede in Frankfurt, in der er ankündigte: „Frankfurt wird deutsch werden“. So offenbarte er, dass auch die Polizei zum Instrument nationalsozialistischer Politik degradiert war. An „die Juden“ gewandt erklärte er: „Ihr Juden braucht nicht zu zittern, wir bleiben legal, so legal, daß euch vor soviel Legalität noch unbehaglich wird.“ Der Zynismus bespiegelte ein konservatives Verständnis der nationalsozialistischen Machtergreifung, das rasch in Konflikt mit dem Stabschef der SA geriet. Ernst Röhm persönlich belehrte von Westrem, weshalb er zum Polizeipräsidenten ernannt worden sei: „Es handelt sich ausschließlich darum, daß die Polizeipräsidien SA-mäßig geführt werden und dadurch dazu beitragen, die nationalsozialistische Revolution weitertragen zu helfen.“
Der Generalmajor a. D. ließ es darauf ankommen. Röhm sorgte nach nur siebenmonatiger Amtszeit für die Entlassung und schloss ihn zugleich aus der SA aus.

Nachfolger wurde der 31-jährige Adolf Beckerle, der es bereits mit 26 Jahren zum Frankfurter SA-Führer gebracht hatte und die sozialrevolutionäre Mentalität besaß, die Röhm erwartete. Beckerle überlebte die als Röhm-Putsch bezeichnete Mordaktion Hitler im Juni 1934. Er blieb Frankfurter Polizeipräsident bis zur Überführung der Polizei in die allgemeine SS zu Beginn des 2. Weltkrieges.

Adolf Beckerle (rechts vom Redner) auf einer Veranstaltung der NSDAP am 1. Mai 1932 vor der Frankfurter Börse, zeitgenössische Fotografie

Porträt Adolf Beckerles, Kohlezeichnung 1939


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