Die Ernennung Frankfurts zur „Stadt des deutschen Handwerks“

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Städte, denen nationalsozialistische Anerkennung zukam, waren München als „Hauptstadt der Bewegung“ und Nürnberg als „Stadt der Reichsparteitage“. Das bestehende Bild Frankfurts hingegen war den neuen Machthabern unvereinbar mit der nationalsozialistischen Weltanschauung. Frankfurt galt als Stadt der Demokratie (Sitz der Nationalversammlung), Emanzipation (der Juden) und des Liberalismus. Der neue Oberbürgermeister Friedrich Krebs machte es sich zur dringlichen Aufgabe, dieses Bild radikal zu ändern und die Stadt „weltanschaulich“ zu „erneuern“. Krebs plante, Frankfurt von der „Stadt der Juden und Demokraten“ bzw. der „Stadt der Frankfurter Zeitung und Mayer Amschel Rotschschilds“ zur „deutschen Stadt“ umzuwandeln.
Das neue Stadtbild soll in völligem Gegensatz zu dem der Vergangenheit stehen. Den Reichshandwerkertag 1935, den Frankfurt austrägt, nimmt der Oberbürgermeister schließlich zum Anlass, Frankfurt zur „Stadt des deutschen Handwerks“ ernennen zu lassen.

Festzug auf dem Reichshandwerkertag in Frankfurt im Juni 1935: Das Malerhandwerk, zeitgenössische Fotografie

Festzug auf dem Reichshandwerkertag in Frankfurt im Juni 1935: Das Graveurhandwerk, zeitgenössische Fotografie




Festzug auf dem Reichshandwerkertag in Frankfurt im Juni 1935: Der Festwagen der Uhrmacher, zeitgenössische Fotografie

Reichshandwerkertag in Frankfurt im Juni 1935: Die Handwerkerlade vor dem Opernplatz, zeitgenössische Fotografie


Reichshandwerkertag in Frankfurt im Juni 1935: Verabschiedung der Wandergesellen vor der Börse, zeitgenössische Fotografie

Reichshandwerkertag in Frankfurt im Juni 1935: Verabschiedung der Wandergesellen, zeitgenössische Fotografie


Zustimmung Adolf Hitlers zur Benennung Frankfurts als „Stadt des Deutschen Handwerks“ am 15. Juni 1935


Pünktlich zur Eröffnung des Reichshandwerkertages erreicht Frankfurt die Zusage Adolf Hitlers per Telegramm. Mit dem Titel „Stadt des deutschen Handwerks“ plant Krebs die dauerhafte Bindung des jährlichen Zusammentreffens der Handwerker an die Stadt. Er verspricht sich davon aber vor allem die Anerkennung Frankfurts als nationalsozialistische Stadt.
Die neue Selbstdarstellung Frankfurts knüpft an der starken propagandistischen Aufwertung des Handwerks an. Entgegen den historischen Tatsachen suggeriert sie bewusst, in der Geschichte der Stadt habe das Handwerk eine besondere Rolle gespielt. Um diese These wissenschaftlich zu unterstützen, hat Krebs zuvor eine Denkschrift in Auftrag gegeben.

Modell zu dem geplanten „Haus des deutschen Handwerks“, Fotografie 1937


Die Anerkennung des Handwerks in Frankfurt wird nun nachgeholt, indem der Oberbürgermeister symbolträchtige Bauwerke, wie z. B. den „Brunnen des deutschen Handwerks“ oder das „Haus des deutschen Handwerks“, plant.


Literatur
  • Heike Drummer, Stadt des deutschen Handwerks, in: Ausst.Kat. FFM 1200. Traditionen und Perspektiven einer Stadt, Lothar Gall (Hg.), Sigmaringen 1994, S. 315-340
  • Dieter Rebentisch, Frankfurt am Main und das Reich in der NS-Zeit, in: Archiv für Frankfurts Geschichte und Kunst 57, Frankfurt am Main 1980 S. 243ff

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    Impressum © Stadt Frankfurt am Main. Text erstellt 2003, aktualisiert am: 07.06.2005