Die „Arisierung“ des Neuen Theaters

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In Frankfurt gab es 1933 eine zweite Sprechbühne, das Neue Theater, das 1911 eröffnet worden war. Das Theaterpublikum kam überwiegend aus dem Westend. Der Gründer und Leiter Arthur Hellmer war gemäß der nationalsozialistischen Rassendoktrin „Jude“. Der Theaterbetrieb in der Rechtsform einer Aktiengesellschaft kam ohne Subventionen aus. Bis 1935 blieben Versuche, das in nationalsozialistischen Augen „unerträgliche“ Florieren eines jüdischen Theaters zu beenden, erfolglos. Während das arisierte Schauspiel nur dank kräftig erhöhter städtischer Subventionen den Spielbetrieb aufrecht erhalten konnte, wies das Neue Theater eine Platznutzung von 90 % auf. Dorn im Auge war nicht zuletzt, daß „deutsche“ Theaterbesucher vom Schauspiel zum Neuen Theater wechselten. Grund war auch, daß an deutschen Bühnen verbotene Stücke gespielt wurden. Im Dezember 1933 gastierte das Ensemble des Berliner Theaters des Kulturbundes deutscher Juden mit Lessings Nathan der Weise. Den Nathan gab zudem Kurt Katsch, der im April 1933 von den Frankfurter Städtischen Bühnen als Jude entlassen worden war. Hans Meissner intervenierte mit Denkschriften und Gutachten, die anfangs die Liquidation, später die Übernahme des Neuen Theaters durch die Städtischen Bühnen befürworteten.
Das im Mai 1934 verabschiedete Theatergesetz ermöglichte es, dem Neuen Theater die Gemeinnützigkeit abzusprechen. Das Gutachten dazu lieferte Hans Meissner. Das Neue Theater brach trotz der höheren finanziellen Belastungen nicht zusammen.
Meissner drängte darauf, Hellmer die Konzession zu entziehen. Da auch das Neue Theater seinen Spielplan dem Berliner Reichsdramaturgen vorlegen musste und der Druck gegen Hellmer persönlich wuchs, bestellte der Aufsichtrat der Aktiengesellschaft Lucie Strassfeld-Kaiser, eine Vertraute Hellmers, zum alleinigen Vorstand des Theaters. Sie handelte mit dem Oberbürgermeister einen Pachtvertrag aus, der zum 1. August 1935 das Neue Theater für fünf Jahre an die Stadt Frankfurt übertrug.

Werbeheft der Städtischen Bühnen mit dem Vollzug der Einvernahme des Neuen Theaters, 1936


Wie bereits am Schauspiel 1933 zeigte das Traditionspublikum 1935, was es von der Arisierung des Theaters hielt: Die durchschnittliche Platzausnutzung sank um 20%. Nur mit hohen städtischen Zuschüssen konnte der Theaterbetrieb für das nun „Kleines Haus“ genannte Neue Theater aufrecht erhalten werden. Arthur Hellmer emigrierte nach Wien und wurde dort im März 1938, nach dem Anschluss Österreichs, verhaftet. Nach dem Novemberpogrom 1938 verkaufte er das Theater an die Stadt Frankfurt am Main und konnte nach England emigrieren. Nach dem 2. Weltkrieg betrachtete die Stadt den zurückgekehrten Emigranten als rechtmäßigen Besitzer und kaufte ihm im Oktober 1948 das Theater zu einem angemessenen Preis ab.

Zusätzliche Stichwörter
Institutionen/Orte/Begriffe:  Städtische Bühnen;   Jüdischer Kulturbund Bezirksbüro Rhein-Main;  

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  • Janine Burnicki/Jürgen Steen, Historisches Museum  

    Impressum © Stadt Frankfurt am Main. Text erstellt 2003, aktualisiert am: 07.06.2005