Mitglieder des ISK im Exil

Druck

Anna Beyer als 22jährige in ihrem Zimmer ihrer Wohngemeinschaft im Riederwald 1931, zeitgenössische Fotografie

Anna Beyer kam Anfang 1937 in Paris an und wurde in die Wohngemeinschaft um Willi Eichler aufgenommen. Die Wohnung war zugleich Sammelpunkt und Büro. Die Pariser Gruppe des ISK verfertigte bis 1939 den „Reinhart-Brief“, der auf Dünndruckpapier gedruckt, nach Deutschland gebracht wurde. Die Informationen zu den wirtschaftlichen, politischen und kulturellen Verhältnissen im Reich beruhten auf Mitteilungen von Emigranten und Berichten, die mit unsichtbarer Tinte geschrieben nach Paris gesandt wurden.
Der Pariser ISK gab die Zeitschrift „Sozialistische Warte. Blätter für kritisch-aktiven Sozialismus“ heraus und gründete einen eigenen deutschsprachigen Verlag, der Werke von Alfred Kerr, Kurt Hiller und Anna Siemsen und anderen Exilautoren publizierte. Bis 1938 gab es geheime Treffen mit den Genossinnen und Genossen, die im Widerstand in Deutschland arbeiteten. Mitglieder, mit neuen Papieren ausgestattet, arbeiteten verdeckt im Reich, unterstützten Widerstandsgruppen und sammelten Informationen.

Titelblatt der vom ISK in Paris herausgegebenen Zeitschrift „Sozialistische Warte“, 14. Jahrgang, Heft 4 vom 20. Januar 1939

Anzeige eines Gedichtbandes von Alfred Kerr, aus „Sozialistische Warte“, 14. Jahrgang, Heft 4 vom 20. Januar 1939


1938, nach dem Ende der Volksfront-Regierung unter Léon Blum und der Konferenz von München, begann die französische Polizei mit der Ausweisung oder Abschiebung politischer Emigranten. Anna Beyer ging in die Schweiz und, da die Schweizer Behörden die Aufenthaltgenehmigung nicht verlängerten, nach England. Sie erhielt eine Arbeitsgenehmigung in privaten Haushalten. Die Arbeit in der Küche einer Vegetarischen Gaststätte in London ließ wieder Zeit für politische Arbeit.

Anna Beyer als Küchenhilfe in einer Vegetarischen Gaststätte in London 1943, zeitgenössische Fotografie


Hans Lehmann, der 1926 die Frankfurter Ortsgruppe des ISK mitbegründet hatte, emigrierte nach Buenos Aires. Im „Verein Vorwärts“, 1882 von deutschen Arbeitern gegründet, die wegen des Sozialistengesetzes Deutschland verlassen hatten, trafen sich die neuen politischen Emigranten. Da die deutsche Kolonie wie die argentinische Regierung mit Hitler sympathisierte und der „Verein Vorwärts“ wegen für Vereine verbotener politischer Tätigkeit seinen Status zu verlieren drohte, gründeten ehemalige Mitglieder von SPD, KPD, SAP und ISK die Gruppe „Das andere Deutschland“, die ab 1937 eine gleichnamige Zeitschrift herausbrachte, die als Mitteilungsorgan für Gruppen in Uruguay, Brasilien, Chile, Bolivien und Paraguay zur wichtigsten deutschsprachigen antinationalsozialistischen Exilzeitschrift in Südamerika wurde und eine ihrer Hauptaufgaben im Kampf gegen den Einfluss mit Hitler sympathisierender deutscher Kolonien sahen. Das „Andere Deutschland“ warb für das „bessere“ Deutschland und dessen Rolle beim Wiederaufbau Deutschlands nach Hitler. Hans Lehmann arbeitete in der Redaktion der Zeitschrift und gehörte so zu den führenden Köpfen des anderen Deutschland, das auf eine feste Organisation verzichtete und sich als „Bewegung“ verstand.

Porträt Anna Beyers 1946, zeitgenössische Fotografie


Anna Beyer wurde 1942 mit der Jugendarbeit der neu gegründeten „Landesgruppe Deutscher Gewerkschafter in Großbritannien“ betraut. Die Organisation der Arbeit unter dem Gesichtspunkt der Vorbereitung auf die Arbeit nach dem Krieg verdeutlicht den Perspektivenwechsel des Widerstands im Exil ebenso, wie neue Zusammenschlüsse. SAP, „Neu Beginnen“ und ISK vereinigten sich mit Sozialdemokraten zur „Union deutscher sozialistischer Organisationen in Großbritannien“. Die „Sozialistischen Mitteilungen“ berichteten über den weltweiten Widerstandskampf gegen das 3. Reich. Hatten Ausbruch des Krieges und die militärischen Erfolge der Armeen Hitlers in den ersten Kriegsjahren alle Hoffnungen auf einen Sturz Hitlers und seines Regimes durch einen Volksaufstand endgültig begraben, so wächst jetzt die Hoffnung auf den Sturz durch die militärische Niederlage. Der Widerstand beginnt sich mit der Frage des Neuaufbau Deutschlands zu befassen.

Anna Beyer möchte wieder den direkten Kontakt mit Genossinnen und Genossen in Deutschland. Im September 1944 wird sie per Flugzeug nach Frankreich gebracht und hält sich vier Wochen illegal in die Schweiz auf. Dann ist der Krieg zu Ende. Am 2. Juni 1945 ist sie wieder in Frankfurt.

Erinnerungen zu diesem Beitrag:

  • Hans Lehmann über das „Andere Deutschland“ und das „Deutschland-Hilfswerk“ 1945 in Argentinien
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  • Jürgen Steen, Historisches Museum  

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