Gedenktafel am ehemaligen Arbeitserziehungslager Heddernheim

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Gedenktafel für das ehemalige Arbeitserziehungslager Heddernheim

Ort
Oberschelder Weg/Ludwig-Reinheimer-Straße

Enthüllungsdatum
16.01.1987

Ausführung
Metallplatten




Gedenktafel für das ehemalige Arbeitserziehungslager Heddernheim, erste Seite


Text der Tafeln
An dieser Stelle befand sich vom 1. April 1942 bis zum 18. März 1945 das Arbeitserziehungslager Heddernheim. „Arbeitserziehungslager“ waren Bestandteil des nationalsozialistischen Strafvollzugs.
Das Lager war der Geheimen Staatspolizei (Gestapo) in Frankfurt am Main unterstellt, die ihren Sitz in der Lindenstraße 27 hatte. In den knapp drei Jahren der Existenz des Lagers waren insgesamt etwa 10.000 Deutsche und Ausländer hier unter menschenunwürdigen Bedingungen inhaftiert.
Viele von ihnen waren zur Arbeit für die deutsche Rüstungswirtschaft
gezwungene Ausländer aus den besetzten Gebieten, vor allem aus Polen und
der Sowjetunion. Aus den Arbeitslagern (Gemeinschafts- oder Firmenlager) wurden sie oft wegen geringster Vergehen (unerlaubtes Verlassen der Arbeitsstätte oder des Aufenthaltsbezirkes, Verweigerung des „Deutschen Grußes“, Entgegennahme von Lebensmitteln) in das Arbeitserziehungslager gebracht. Hier sollten sie bei mangelhafter Ernährung und ständig drohender Prügelstrafe durch Zwangsarbeit „umerzogen“ werden, wobei auch die „Vernichtung durch Arbeit“ in Kauf genommen wurde. Viele von ihnen wurden von hier aus in Konzentrationslager deportiert.

Gedenktafel für das ehemalige Arbeitserziehungslager Heddernheim, zweite Seite


Das Lager bestand aus drei Häftlings-Baracken, je mit 30 und mehr Personen
belegt, einem Appellplatz, aus Wachturm und Wachraum, Entlausungsbad und Hundezwinger sowie dem sogenannten „Bunker“ für den verschärften Strafvollzug.
Aus den Erinnerungen eines ehemaligen Häftlings:
„Die Unterkünfte waren voller Läuse und anderem Ungeziefer. Eine Waschgelegenheit befand sich nur im Freien. Hauptnahrung bildete eine Art Kartoffelsuppe aus ungeschälten Kartoffeln, Wasser und Margarine. Häufig kam es vor, daß die Männer nach dem Abendessen in den Baracken exerzieren mußten; bei Liegestützen wurde oft der Kopf vom Wachpersonal auf den Boden getreten. Ferner erinnere ich mich an häufiges Auspeitschen der Häftlinge auf einer Bank.“
Solche Erfahrungen waren es, derentwegen Menschen der unterschiedlichsten politischen Lager für unser Grundgesetz formulierten: Die Würde des Menschen ist unantastbar.

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    Impressum © Stadt Frankfurt am Main. Text erstellt 2014, aktualisiert am: 28.10.2015