„Die ganze Stadt war ein Zwangsarbeiterlager“ – Zwangsarbeit in Frankfurt am Main

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Während des Krieges waren etwa 25.000 Fremd- und Zwangsarbeiter sowie Kriegsgefangene ständig in Frankfurt am Main zur Arbeit eingesetzt. Die tatsächliche Zahl der eingesetzten Ausländer lag viel höher. In den nur unvollständig überlieferten polizeilichen Meldebüchern (Hausstandsbücher) sind für die Zeit von 1939 bis 1945 knapp 49.000 Eintragungen zu finden, die ausländische Arbeitskräfte betreffen. Wie hoch die Zahl der in Frankfurt am Main eingesetzten Fremd- und Zwangsarbeiter tatsächlich war, wird nicht mehr zu ermitteln sein. Ein Teil der Meldeunterlagen wurde im Bombenkrieg unwiederbringlich vernichtet oder ging verloren.
Die Unterbringung der Fremd- und Zwangsarbeiter bzw. Kriegsgefangenen war recht unterschiedlich. Hausangestellte, gleich welchen Herkunftslands, waren privat untergebracht. Aber auch Franzosen, Niederländer, Belgier – so genannte „Westarbeiter“ – und Tschechen konnten dieses seltene „Privileg“ erhalten. Für die Genehmigung einer privaten Unterbringung war die Gestapo zuständig. Soweit rekonstruierbar, wurde diese Genehmigung immer erteilt, weil der Bedarf an Arbeitskräften groß, die Möglichkeiten für die Unterbringung aber begrenzt waren.
In der Regel waren die ausländischen Arbeitskräfte in nach Nationalität getrennten Lagern untergebracht. Wobei der Begriff „Lager“ recht weit zu fassen ist. Ein Lager konnte ein mit Baracken bebautes, eingezäuntes und bewachtes Gelände sein oder eine Unterkunft in speziell hergerichteten Lagerräumen, Wohnungen, Werkstätten, Schulen, Turnhallen oder Gaststätten. Größere Betriebe hatten eigene Lager eingerichtet, kleinere Betriebe verwalteten ein „Splittergruppenlager“ gemeinsam. Für die Überwachung der Lager waren unterschiedliche Stellen zuständig: Die Zivilarbeiterlager unterstanden der Deutschen Arbeitsfront (DAF), die Kriegsgefangenenlager der Wehrmacht. Die KZ Außenlager – Walldorf/Flughafen – und „Katzbach/Adler-Werke – unterstanden der SS. Die Wachmannschaften waren bewaffnet.
Die Belegstärke der Lager war unterschiedlich, das gleiche gilt auch für die Bestandsdauer der Lager. Seit dem Einsetzen des Bombenkriegs kam es zu Verlegungen der Lager innerhalb der Stadt oder auch zu totalen Verlagerungen der Betriebe mit den dazu gehörenden Lagern in andere, weniger von Fliegerangriffen bedrohte Städte oder Gemeinden.
Die Tabelle zeigt alle Betriebe, in denen nachweisbar Fremd- und Zwangsarbeiter eingesetzt und untergebracht waren. Die Liste ist gewiss nicht vollständig und wird, wenn sich weitere Einsatz- und Lagerstätten nachweisen lassen, ergänzt werden.
Neben diesen Lagern, die sich eindeutig Betrieben zuordnen lassen, gab es noch eine Reihe weiterer Lager, wie z. B. für Kriegsgefangene oder Arbeitskommandos.

Baracke für die Unterbringung von Ostarbeitern der Firma Hartmann & Braun in der Hindenburgstraße 200 (heute Ludwig-Landmann-Straße), ca. 1941

Zusätzliche Stichwörter
Institutionen/Orte/Begriffe:  Ada Ada Schuh AG;   Ada Ada Schuh AG - Zwangsarbeiterlager (1);   Ada Ada Schuh AG - Zwangsarbeiterlager (2);   Adlerwerke, vorm. Heinrich Kleyer AG;   Adlerwerke, vorm. Heinrich Kleyer AG - Zwangsarbeiterlager (1);   Adlerwerke, vorm. Heinrich Kleyer AG - Zwangsarbeiterlager (2);   Adlerwerke, vorm. Heinrich Kleyer AG - Zwangsarbeiterlager (3);   Zwangsarbeitersammellager Allerheiligenstraße 26;   Zwangsarbeitersammellager Fischerfeldstr. 13;   Zwangsarbeitersammellager Marburger Str. 28;   Ackermannschule - Kriegsgefangenenlager;   Organisation Todt;  

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    Impressum © Stadt Frankfurt am Main. Text erstellt 02.07.2003, aktualisiert am: 10.04.2008